Kulinarischer Kastanienherbst

Was wäre das sonnenreiche Genussland Südtirol ohne seine uralten Kastanienhaine, die die Mittelgebirge an Etsch und Eisack säumen?
Und was wäre die Küche ohne Cremesuppe, Püree, Kuchen oder Halbgefrorenes von der Kastanie? Kein Wunder also, dass der viel verehrten Esskastanie sogar ein ganzer Themenwanderweg gewidmet ist: der „Eisacktaler Keschtnweg“ von Vahrn bei Brixen bis in den Bozener Talkessel. Eine Wanderung auf dieser leichten bis mittelschweren Route lohnt sich ab dem Spätsommer bis in die ersten Novembertage.
Denn abgesehen vom goldenen Herbstwetter bieten entlang des „Keschtnwegs“ – wie der Parcours in Südtirol genannt wird - Gastbetriebe in diesen Tagen eine Vielzahl verführerischer Leckerbissen von der Esskastanie an. Und während der Törggelezeit – von Ende September bis Mitte November – serviert man die Keschtn, also die Kastanien, auch in allen Buschenschänken zum neuen Wein, Speck, Hauswürsten mit Kraut und Schüttelbrot.
Ein besonderes Highlight ist das zweite Südtiroler Törggelefest in Brixen in der Ferienregion Eisacktal am 24. September 2005. Ein einziges Band von Kastanienhainen streckt sich entlang den Hängen des Eisacktals bis zum Rittner Hochplateau und hinunter nach Bozen in die Landeshauptstadt zur legendären Bilderburg Runkelstein. Kunstund Naturdenkmäler entlang des „Keschtnwegs“ zeugen von einer Jahrhunderte alten Kultur, sagenumwobene Orte erzählen von Hexen, Feen und Geistern und natürlich von der Geschichte der Kastanie.
Der markierte Weg führt durch farbenprächtige Mischwälder, Wiesen und imposante Kastanienhaine.
Der insgesamt 63 Kilometer lange „Keschtnweg“ ist kein Extremsport-Parcours, sondern ein Themenweg, aus dem sich Genießer ein oder zwei Routen herauspicken können oder ihn zur Gänze bequem in sechs Tagesetappen absolvieren. Hektik ist hier ein Fremdwort, denn immer wieder gibt es entlang der Strecke einen guten Grund zur Rast und Einkehr.
So bieten Direktvermarkter typische Südtiroler Produkte an, die am Hof produziert werden. Persönliche Beratung und ein gutes Gespräch werden hier noch groß geschrieben. So auch bei den zahlreichen Privatvermietern entlang des „Keschtnwegs“, die mit günstigen Übernachtungsmöglichkeiten nach dem Wandertag und sicher einem weiteren Geheimtipp für den nächsten Tag aufwarten. Und was gibt es Schöneres, als einen Wandertag im familiären Ambiente ausklingen zu lassen?
Kurt Ratschiller
Info Südtirol
In Südtirol gibt es rund 3000 Privatvermieter (Zimmer und Ferienwohnungen), Preise ab 18 Euro/ÜF pro Person. Info unter www.kleinundfein.org
Dieser Artikel wurde in Motor und Reisen, Das Magazin der mobilen Generation, Herausgeber AvD Verlag GmbH Frankfurt, avd@avd.de, www.avd.de, Ausgabe Nr. 07/08 2005 publiziert.

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